Erzieher
Christoph (29) hat die Ausbildung schon gemacht
"Ich mache gerne was mit Menschen. Eine Berufsberaterin im Arbeitsamt hat mir nach der Realschule ein Praktikum in einer Kindertagesstätte vorgeschlagen. Die Kinder und ihre Eltern fanden es toll, mal einen Mann in der Einrichtung zu haben. Kein Tag war da wie der andere – auf kleine Kinder muss man spontan reagieren. Und es war total schön zu sehen, wie viel sie gelernt haben. Nach dem Praktikum habe ich eine Ausbildung zum Erzieher gemacht. Dabei habe ich noch mehrere Praktika absolviert: Ich war in einem Hort für Schulkinder, in einer Wohngruppe, in der Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten betreut werden, und beim Betreuten Wohnen, wo junge erwachsene Menschen lernen, selbstständig in einer eigenen Wohnung zu leben. Manchmal frage ich mich, ob ich den richtigen Beruf gewählt habe und komme immer zu dem Entschluss: Ja! Der Beruf des Erziehers ist verantwortungsvoll, spannend, abwechslungsreich und kreativ!"
Matthias (24) arbeitet als Erzieher in einer Wohngruppe für Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht mit ihren Eltern zusammen leben können.
„Erst habe ich eine technische Ausbildung angefangen, aber das lag mir gar nicht. Über den Zivi bin ich dann in die soziale Schiene reingekommen. Als ich Kind war, gab es immer nur weibliche Erzieherinnen, aber ich finde, viel mehr Männer sollten im Kindergarten arbeiten. Mir gefällt in der Wohngruppe am besten, wenn die Kinder nach den Hausaufgaben frei haben. Dann spielen wir Fußball oder Gesellschaftsspiele, zum Beispiel Kniffel, oder ich lese Geschichten vor. Mir gefällt es total gut, wenn die Kinder Spaß dabei haben. Im Moment ist Erzieher mein Traumberuf, aber ich will mich später vielleicht noch weiterbilden.“
Tipp: Im Video kannst du Matthias bei der Arbeit in der Wohngruppe sehen.
- Was macht ein Erzieher?
Für Erzieher gibt es ganz viele Einsatzgebiete: Manche arbeiten im Kindergarten oder einer Kindertagesstätte und betreuen dort jüngere Kinder. Es gibt aber auch Stellen für Erzieher in Internaten oder Jugendzentren, dort sind die Kinder schon größer. Viele Erzieher arbeiten auch in Kinderheimen oder Einrichtungen für geistig oder körperlich behinderte Menschen. Einige sind in der Beratung tätig und helfen zum Beispiel Alkoholabhängigen oder Obdachlosen.
- Welchen Schulabschluss brauche ich für die Ausbildung?
Einen Realschulabschluss. Du kannst aber auch Erzieher werden, wenn du einen Hauptschulabschluss hast und danach bereits eine Ausbildung gemacht hast. In vielen Bundesländern gilt die Bedingung, dass man vor Ausbildungsbeginn schon ein Praktikum gemacht haben soll. In der Regel musst du vor Ausbildungsbeginn ein ärztliches Attest abgeben, in dem man dir bescheinigt, dass du ganz gesund bist. Oft wird auch verlangt, dass du ein Führungszeugnis vorlegst, in dem steht, dass du keine Straftaten begangen hast. Dieses Dokument bekommst du im Rathaus deiner Stadt oder Gemeinde.
- Wie läuft die Ausbildung ab?
Das ist je nach Bundesland unterschiedlich. In den meisten Bundesländern gehen die angehenden Erzieher zu einer Fachschule für Sozialpädagogik und machen Praktika in verschiedenen Bereichen. Nach der theoretischen Ausbildung folgt in den meisten Bundesländern ein Praxisjahr, das sogenannte Anerkennungsjahr in einer sozialpädagogischen Einrichtung. Erst danach bist du „staatlich anerkannter Erzieher“.
- Wie lange dauert die Ausbildung?
Drei Jahre. Erst kommen die zwei Jahre an der Schule und dann das Praxisjahr (Anerkennungsjahr). Zum Abschluss musst du Klausuren bestehen oder eine längere schriftliche Facharbeit schreiben. Außerdem musst du in einer praktischen Prüfung zeigen, was du gelernt hast und zum Beispiel im Kindergarten eine Spiel- oder Bastelaktion durchführen.
- Wo kann ich mich bewerben?
An allen Schulen, die Erzieher ausbilden. Außerdem musst du dir selbst Plätze für deine Praktika und das Praxisjahr (Anerkennungsjahr) suchen.
- Wie sieht es mit dem Verdienst aus?
Während du zur Schule gehst, bekommst du leider noch kein Geld. Es gibt aber die Möglichkeit, Ausbildungsbafög zu beantragen. Alle Infos findest du hier: www.bafoeg.bmbf.de Im Praxisjahr (Anerkennungsjahr) bekommst du ein Praktikumsgehalt. Wenn du dieses Jahr bei einem öffentlichen Träger absolvierst, kannst du mit etwa 1.254 Euro im Monat rechnen, denn dort wird nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt.
- Und nach der Ausbildung?
Weil es so viele Einsatzgebiete für Erzieher gibt, stehen die Chancen gut, dass du eine Stelle findest, die zu dir passt. Männer sind in Kindergärten oder Horten besonders willkommen, denn dort arbeiten in der Mehrheit Frauen, und viele wünschen sich, dass gleich viele Männer und Frauen dort arbeiten.
- Wo finde ich noch mehr Informationen?
Die Agentur für Arbeit hat die wichtigsten Infos auf dieser Seite zusammengestellt: http://berufenet.arbeitsagentur.de
Portal: Interessant ist auch dieses Berufsportal: www.erzieherin-online.de
Die Initiative “Mehr Männer in den Kindergarten!” präsentiert sich hier: www.erzieher-online.info/wordpress/
Tipp: Eine tolle Möglichkeit zum Reinschnuppern ist ein Praktikum oder auch ein Freiwilliges Soziales Jahr. In vielen Einrichtungen bist du auch als ehrenamtlicher Helfer willkommen: Du könntest zum Beispiel den Kindern vorlesen oder mit ihnen spielen. Frag doch einfach mal in deinem ehemaligen Kindergarten nach, die Erzieherinnen und Erzieher dort freuen sich bestimmt, wenn sie dich mal wieder sehen. Viele nutzen auch den Zivildienst dafür, das Berufsfeld Erzieher kennen zu lernen, denn in vielen Einrichtungen gibt es Stellen für Zivis.
Witziger Berufefilm: Einen Erzieher beim "Ameisenhaufensitzwettbewerb"? Was soll das denn bitteschön? In diesem kurzen Video der Diakonie gibt`s die Antwort: www.diakonie.de
Berufeinfos aus der Schweiz: Dort heißt der Erzieher "Kinderbetreuer". Auf der Internetseite www.kinderbetreuer.ch erzählen Emanuel, Urs und Sascha, was ihnen an dem Beruf gefällt und ob es schwierig ist, als junger Mann im Kindergarten ernst genommen zu werden.













